„Spiel ist nicht Spielerei, es hat hohen Ernst und tiefe Bedeutung“
   Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782-1852)



Spielentwicklung mit dem besonderen Blick auf die Verbindung zur sozial-emotionalen Entwicklung 

Die Spielentwicklung findet im Gleichklang mit der sozial-emotionalen Entwicklung statt. Im Spiel entdecken Kinder ihre Umwelt, sie konstruie­ren und rekonstruieren ihre Lebenswirklichkeit.

Sie setzen ihre Phantasie ein, die ihnen hilft die Welt zu verstehen und zu ordnen, ihre Gefühle auszudrücken, Kontakte mit Erwachsenen und Gleichaltrigen aufzubauen und Probleme zu be­wältigen. Das Spiel des Kindes ist ein mächtiger Entwicklungsmotor, bei dem der Einsatz der gesamten Persönlichkeit gefordert ist.
Die Deutung der Spielentwicklung lässt für uns als Fachkräfte wichtige Rückschlüsse auf die sozial-emotionale Entwicklung der Kinder zu. Dies wiederum erschließt uns Ebenen in denen wir Interaktion wie das Wohlbefinden in der Kita mit jedem einzelnen Kind gestalten können.

„Das Kind braucht das Gefühl, spielend oder handelnd in unseren Augen zu existieren“
(Kokemoor, 2023, S. 150) 

Wie lernen Kinder emotionale Regulation im Vorschulalter?!

Für Kinder wie uns Erwachsene gilt, all unsere Gefühle machen unseren Alltag lebendig und gestalten unsere Beziehungen. Wenn jedoch Gefühle außer Kontrolle geraten und uns überfluten, werden der Kontakt zu anderen und die Alltagsbewältigung problematisch.


Emotional kompetente Kinder sind in der Lage, in altersentsprechender Ausprägung, unterschiedliche Gefühle von einander zu unterscheiden. Sie können ihre Gefühle angemessen ausdrücken und regulieren.
Diese Fähigkeit ist ein Lernprozess, der uns durch unsere Erfahrungen, die wir in der Selbstwirksamkeit und im Austausch mit anderen ein Leben lang weiterentwickeln.
Wir brauchen für diesen Lernprozess unsere exekutiven Funktionen. Bereits im Kindesalter stehen die exekutiven Funktionen mit vielen anderen wichtigen Kompetenzen in Zusammenhang, wie beispielsweise dem Einfühlungsvermögen, dem Mitgefühl und der Konzentrationsfähigkeit. Sie stellen die Basis sowohl für die
sozial-emotionale Entwicklung als auch für das erfolgreiche Lernen dar.
Als exekutive Funktionen bezeichnet man geistige Fähigkeiten, die unser Denken und Handeln steuern.
Im Kita-Alltag brauchen wir das Wissen darüber, wie Kinder ihre Gefühle regulieren und insbesondere wo sie unsere Unterstützung als Fachkräfte brauchen, um als soziales Wesen in
den eigenen Emotionen kompetent und handlungsfähig zu sein.

"Fähigkeiten wie Selbständigkeit, moralisches Urteilsvermögen, Verantwortungsgefühl und kommunikative Fähigkeiten sollen entwickelt werden. Diese Fähigkeiten werden für ein demokratisches Miteinander benötigt. Die Entwicklung der emotionalen und sozialen Kompetenzen in der Kindheit stellen dafür eine wichtige Grundlage dar."
(Simone Pfeffer, Sozial-emotionale Entwicklung fördern, 2. Auflage 2019) 


Kinder die uns durch ihr Verhalten im Alltag vor Herausforderungen stellen

In der Erziehung, der Begleitung und Betreuung von Kindern kommt es immer wieder zu Momenten, in den wir uns als Fachkräfte überfordert fühlen oder uns Sorgen machen. Das Kind, das uns anvertraut ist bringt uns in Situationen in den wir uns ratlos oder ohnmächtig und nicht mehr handlungsfähig fühlen.


Eine wichtige Grundlage für die kindliche Entwicklung ist das Bedürfnis nach sicherer Bindung. Dieses Grundbedürfnis ist in den biologisch angelegten Interaktionskompetenzen verankert. Ein Jeder von uns verfügt über diese natürliche Ressource die es zu erkennen, zu beleben und zu nutzen gilt. Weitere grundlegende natürliche Ressourcen sind die einzelnen kindlichen Spiele und Verhaltensweisen, mit den sich Kinder weltweit ausdrücken und ihre Bedürfnisse mitteilen.
Jeder Mensch hat gute Gründe für sein Verhalten. Aus der eigenen Wahrnehmung und den Erfahrungen, die wir in unserem Leben sammeln, entwickeln wir Verhaltensweisen, die zunächst für den einzelnen ganz individuell sinnhaft erscheinen! 

Gemeinsam ist es unser professioneller Auftrag in erster Line für das Kind und im Weiteren für das Team, Lösungsstrategien zu entwickeln um wieder aus der gefühlten Ohnmacht in die Handlung zu kommen.
Eine externe Beratung beinhaltet die Möglichkeit, die Perspektive auf eine Situation zu erweitern und bietet unterschiedliche Handlungsoptionen, die für pädagogische Fachkräfte eine Tür raus aus einer manchmal scheinbaren ausweglosen Situation öffnet.

"Vielleicht hast du jetzt noch keine Ahnung, was alles in dir steckt? Und vielleicht weißt du auch nicht, wie bedeutsam du bist? Aber vielleicht, ja vielleicht, hat die Welt schon seit Ewigkeiten auf genau so jemanden wie dich gewartet."
(Kobi Yamada und Gabriella Barouch, Vielleicht, Adrian & Wimmelbuchverlag GmbH) 

Traumasensible Arbeit im Kita-Alltag

Traumasensible Arbeit mit Kindern ist ein wichtiger Ansatz, um Kinder zu unterstützen, die belastende oder traumatische Erfahrungen gemacht haben. Dabei steht im Mittelpunkt, dass wir die Gefühle und Bedürfnisse der Kinder ernst nehmen und eine sichere, vertrauensvolle Umgebung schaffen.

 
Kinder brauchen im Umgang wieder das Gefühl selbstwirksam und selbstbestimmt in ihrem Umfeld wahrgenommen zu werden. Ihre Ressourcen zu stärken und Resilienz zu fördern um ihre Kraftquellen zu nutzen und den eigenen Ressourcenbereich zu erweitern.
Für diese sensible Arbeit braucht es Fachkräfte, die das Wissen haben, dass es neuronale Veränderungen im Gehirn durch traumatische Erlebnisse gibt, um Verhaltensweisen besser einordnen zu können. Ebenfalls braucht es das Wissen darüber, welche Faktoren verantwortlich für tiefgreifende Traumata sind.
Im Weiteren gibt es die Möglichkeit ganz konkrete praktische Umsetzungen für den Kita-Alltag zu entwickeln um für alle Kinder und speziell für Kinder mit traumatischen Erlebnissen,
Räume zu schaffen ihre Gefühle einzuordnen und ihre Ressourcen zu stärken.

"Die Erfahrungen in der Vergangenheit haben eine strake Wirkung darauf, wie wir das, was wir sehen und fühlen, verstehen. Dieser Einfluss entsteht aufgrund von Assoziationen im Gehirn, wobei verschiedene Neuronen (oder Hirnzellen) miteinander verbunden werden. Im Grunde ist also Erinnerung die Art und Weise, wie ein Ereignis aus der Vergangenheit uns in der Gegenwart beeinflusst."
(Daniel J. Siegel und Tina Payne Bryson, Achtsame Kommunikation mit Kindern, 7. Auflage 2023)